timomeh

#2016

Eigentlich bin für Neujahrsvorsätze gar nicht zu gebrauchen. Das neue Jahr ist kein Schnitt und Grund um etwas zu verändern. Der Jahreswechsel kann zwar eine mentale Stütze sein, aber genau so gut könnte das jeder andere Tag im Jahr sein, wenn er im Kalender als solcher markiert wäre. Wenn ich abnehmen möchte, dann brauch ich keinen Neujahrsvorsatz. Ich könnte immer damit anfangen – tatsächlich habe ich damit auch Mitten im letzten Jahr begonnen. Und das Schlimme ist, dass man das an jeder Ecke hört: Neujahrsvorsätze sind unnötig. Änder etwas wann du möchtest. Neujahrsvorsätze schon nach zwei Wochen gebrochen?

Vielleicht bedeutet ein Neujahrsvorsatz nicht, dass man ab punkt Mitternacht etwas ändert. Wieso kann man sich nicht einfach vornehmen, dass man irgendwann im Jahr damit beginnt? Eine Änderung braucht auch Ansporn, der aus eigenem Antrieb kommen muss, und nicht einfach weil sich das Datum ändert. Vielleicht ist es besser, wenn man noch ein paar Monate wartet, bis man es tatsächlich umsetzt. Vielleicht ist man damit erfolgreicher. Hauptsache ist, dass man sich überhaupt mal reflektiert und weiß, wie man etwas ändert.

Trotzdem ist das neue Jahr in meinen Augen ein (Ab)Schnitt. In den letzten Dezemberwochen und -tagen wird die Welt für eine kurze Zeit ruhig. „Die Zeit der Besinnung“, wie man es gar nicht so selten hört. Jeder geht in sich. Ich sehe das gerne als positive Melancholie. Genau in jener Zeit habe ich in diesem Jahr anders zurückgeschaut als in vorigen Jahren. Keine oberflächlichen Recaps sondern ehrliches Eingeständnis. Wie bin ich wirklich, und wie möchte ich eigentlich sein?

Mindset

In meinen Schuljahren war ich ein überaus positiver und optimistischer Mensch. Ich war fast immer glücklich. Danach hat sich das geändert, wobei ich gar nicht weiß, wieso. Mittlerweile habe ich vergessen, wie ich es hinbekommen hatte, immer so glücklich mit mir zu sein. Ich habe heute zwar immer noch positive Worte für Mitmenschen und bin stets optimistisch, wenn man sich an mich wendet, doch bin ich nie zu mir selbst positiv und optimistisch. Ich sehe bei mir das Negative und bin blind für Positives. Meine Probleme sehe ich immer pessimistisch. Ich bin zu oft in mich gekehrt, bin ständig unglücklich und beiße mich daran fest.

Das ändert sich mit dem Jahreswechsel. Es ist ein reines Kopfding. Das schaffe ich und kann ich ändern.

Tatendrang

Schon so oft habe ich mich darüber beschwert, dass ich ständig etwas kreieren möchte und doch nie erreiche. Das nagt mehr an mir, als es mir lieb ist. Ich erwarte zu viel von mir selbst.

Wenn man etwas machen möchte, sollte man nur mit Involvierten darüber sprechen. Einmal mit Außenstehenden darüber gesprochen wird die Lust zu schnell gesättigt. Das zusammen mit gesenkten Erwartungen sollte mir dabei helfen etwas zu erreichen. Denn das möchte ich letztendlich.

Erreichbarkeit

Durch mein Smartphone hatte ich immer das Gefühl, dass ich ständig erreichbar sein sollte – oder wenigstens so schnell es mir möglich wäre. Dieses Gefühl wurde zu einem Teil meines Lebens. Ich stecke das Smartphone in die Hosentasche, wenn ich vom Wohnzimmer in die Küche gehe, weil ich etwas verpassen könnte. Jede Benachrichtigung hat sofort höchste Priorität. Ich antworte auf Nachrichten, wenn ich einkaufen bin oder in Situationen, in denen ich dem Teil keine Aufmerksamkeit schenken sollte. Ich konnte mich auch nie überwinden daran etwas zu ändern, weil ich darin nichts negatives gesehen habe.

Das Negative habe ich in den letzten Tagen mehr und mehr realisiert, und seit heute widme ich meinem Smartphone weniger Aufmerksamkeit.

„Nein“

Ich konnte noch nie Nein sagen. Zu allem habe ich ständig Ja gesagt, auch wenn ich wusste, dass ein Nein besser für mich wäre. Dadurch habe ich mich selbst zerrissen. Zu viel, was ich tun musste, zwar oft auch gerne wollte, aber nicht hätte tun dürfen. Schon früher hat es sich dadurch geäußert, dass ich plötzlich Klavier-, Geigen- und Orgelunterricht hatte, in Verbindung mit Orchester, Big Band, zwei Chören, Organistendienst und einem Weiterbildungsseminar. Heute bin ich immer noch in ähnlichen Situationen, in denen alles zu viel wird.

Bei verschiedenen Anfragen werde ich nun vermehrt absagen. Außerdem werde ich all das, was mir zu viel ist, in der kommenden Zeit verabschieden.

Was passiert

Abgesehen von meiner Selbstreflexion gibt es noch andere Veränderungen.

Das Studium neigt sich langsam dem Ende zu und in den kommenden Monaten gibt es wenig Anwesenheit. Dadurch kann ich endlich der Arbeit mehr Aufmerksamkeit widmen, was ich schon so lange wollte. Um den Kreis zu schließen, werde ich deshalb von Gummersbach nach Köln ziehen.


An Silvester habe ich 20 vor 12 erstaunt auf die Uhr geschaut. Ich war plötzlich verwirrt. Wohin waren die letzten paar Stunden verschwunden? Genau so hat sich 2015 angefühlt. Das Jahr war so kurz. Es war zu lang. Es bleibt unvollendet. Ich wollte es endlich hinter mich bringen. Es war voller Gegensätze. 2016 kann nur besser werden.

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